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Wacken Open Air 2011 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Heiner Steinbrink   
Wacken Open Air, WOA 2011, Pommesgabel Mit Superlativen muss das nach eigenen Aussagen größte reine Metal Festival der Welt tatsächlich nicht mehr auftrumpfen. Was innerhalb so weniger Tage an hochkarätigen Bands aufgefahren wird lässt jedes Herz höher schlagen. Und bereits heute, während ich diese Zeilen kurz nach dem Ende des 22. Wacken Open Airs schreibe, wurde von der Pressestelle des Wacken verkündet, dass der Vorverkauf des sogenannten X-Mas Package (Ticket für 2012 plus Shirt) bereits nach 45 Minuten mit einem Absatz von 10.000 Tickets beendet wurde. Ohne Worte!

Bevor ich nun in unsere Reiseanekdoten und die nähere Beleuchtung der Bands einsteige muss ich noch etwas in ganz persönlicher Sache loswerden: So sehr ich es auch jedes Mal genieße zum Wacken zu fahren, so sehr kann ich mich auch jedes Mal über die vermeintliche Kirmes im Umfeld (Wrestling oder Pfahlsitzen anyone?! Und was soll der Quatsch mit den Komikern, dem Wet T-Shirt Contest usw.) aufregen. Das Wacken scheint aus meiner Sicht immer mehr szenefremdes Publikum und Touristen anzuziehen, die mit der Mucke nichts am Hut haben – Medienpräsenz sei Dank. Darum spare ich die Ballermannelemte des Wacken nach Kräften in meinem Bericht aus. Fühlt euch berufen in den Kommentaren Eure Meinung drüber zu schreiben...

Urlaub! Die Reise begann bereits am Mittwochmorgen. Gegen 9 Uhr in der Früh machten sich Mercedes, mein Kumpel Jan sowie meine Freundin Sabrina und meine Wenigkeit auf in die Schleswig-Holsteinische Tiefebene gen Wacken. Die Hinreise verlief bis auf den schon fast klassischen Stau am Elbtunnel in Hamburg verkehrstechnisch ruhig. Zu ruhig - zumindest wenn die Biervorräte in Reichweite lagern. Sagen wir, die Stimmung und der Pegel nahmen bereits auf der Hinreise interessante (ähem) Ausmaße an.

Wacken Open Air, WOA 2011, Heiner, Merce Das Lager war schnell errichtet und so machten wir uns bereits am frühen Nachmittag auf das Gelände zu besichtigen. Wer schon seit längerem nicht mehr im „Mekka“ des Metal war: Das gesamte Areal hat inzwischen gigantische Ausmaße angenommen. Neben den leicht vergrößerten Bereichen vor der True und Black Stage wurde insbesondere der Bereich vor der Party Stage deutlich erweitert und ein neuer Eingangsbereich etabliert. Ansonsten wie in jedem Jahr Fressbuden über Fressbuden und der gut bestückte Metal Markt. Der Mittelaltermarkt mit dem vorgelagerten Bullhead City Zelt (in dem auch Bands auftreten) runden das Bild ab. Erster Preischeck an dieser Stelle: 0,4 Liter Bier (Becks) für 3,50 € plus Pfand. Ansonsten blieben wir am Mittwoch beim Trinken und Gaffen. Amüsant: Mambo Kurt mit einer Heimorgelversion des Super Mario Brothers Theme (sonst eher weniger lustig). Negativ: Die Situation mit den Toiletten wird von Jahr zu Jahr - zumindest Backstage - immer krasser. Zu Spitzenzeiten Wartedauer bis zu 40 Minuten...

Am Donnerstag startete dann für mich das eigentliche Festival. Und das ganze sogar schon recht zeitig um 15:45 Uhr, denn mit Kvelertak stand im Bull Head City Zelt eine echte Newcomer Granate aus Norwegen auf der Bühne. Das Zelt war bereits vor Beginn mehr als gut gefüllt. Die Band zeigte sich wahnsinnig spiel- und bewegungsfreudig. Nach den ersten ein bis zwei Liedern hatte sich der Sound eingepegelt und Kracher der Marke „Fossegrimm“ und „Ulvetid“ kamen richtig zur Geltung. Hat derbe Spaß gemacht!

Um die weiteren Kräfte zu schonen und noch einmal nachzutanken, ging es für mich im Anschluss erst mit den Headlinern Blind Guardian und Ozzy Osbourne weiter. Blind Guardian sind nach wie vor eine Macht wenn sie sich auf ihre älteren Stücke besinnen. Die Menge vor der Bühne ging von der ersten Sekunde an textsicher mit und hätte Frontmann Hansi seinen souveränen Gesang über weite Strecken abnehmen können. Mit Songs wie „Imaginations From The Other Side“, „Valhalla“ (uh yeah!) und natürlich dem „Bards Song“ lieferte die Deutsche Tolkien Combo einen mehr als gelungen Gig ab.

Es folgte eine Premiere für mich: Den alten Mann des Metal, Ozzy Osbourne, hatte ich bislang nicht live gesehen, auch wenn kaum ein Monat für mich ohne alte Black Sabbath Klassiker vergeht. Der Mann macht sich aber auch in Deutschland relativ rar. Vielleicht auch deshalb – und nicht beflügelt von MTV geprägten Schaulustigen – war es im Infield vor den Bühnen mächtig voll und die Meute in Feierlaune. Ozzy präsentierte ein Best Of seines Schaffens und wurde dabei von einer richtig tighten (und halb so alten) Backing Band begleitet. Mit Krachern der Marke „Mr. Crowley“, „Suicide Solution“, „Crazy Train“ und dem alles Vernichtenden „War Pigs“ (!!!) traf die Setlist den Geschmack des Publikums. Lediglich Ozzys phasenweise sehr schwacher Gesang und ein peinlicher Zwischenfall, bei dem er nach dem Blank ziehen seine Hose nicht wieder hoch bekam, dämpften die Euphorie. Alles in allem aber ein grandioser Auftritt und superber Einstieg ins Wacken 2011.

Morbit Angel, Wacken 2011 Der Festival Trupp hatte sich bereits am Vorabend um Frank und Andrea sowie ein paar andere Osnabrücker Nasen erweitert, so dass der Freitag bereits morgens mit Elan (na ja) angegangen wurde. Ein erster Trip ins eigentliche Örtchen Wacken ergab: Ein echter Tipp wenn man abseits der Fressbuden auf dem Gelände gemütlich Frühstücken möchte! Wiederum startete der musikalische Teil meines Tages recht früh. Morbid Angel wurden direkt um 14:30 Uhr auf der Black Stage verheizt. Frontmann David Vincent konnte auf zahlreiche Die Hard Fans im Publikum zählen. Mir persönlich war der Sound jedoch zu matschig, so dass ich bereits nach der Hälfte der Songs den Rückzug antrat. Hängen geblieben sind natürlich die Evergreens vom Klassikeralbum „Altars Of Madness“.

Ohne große Verzögerung setzten die Old School Thrasher von Sodom im Nachgang einen drauf. Mit gutem Sound und unzähligen Kulthits sowie einem bärenstarken neuen Album hatten Tom Angelripper, Bernemann und Neudrummer Macka das Publikum im Griff. Den Einstieg machte direkt „In War in Pieces“, Abrissbirnen der Marke „Remember The Fallen“ und „Agent Orange“ machten den Sack zu.

Wacken Open Air, WOA 2011, Mainstage Für mich folgte auf das Nachmittagsgeknüppel das – wie sich später zeigen sollte – Highlight des Festivals: Judas Priest! Zuletzt hatte ich Priest vor Jahren im Hyde Park in Osnabrück gesehen, dazwischen hatte ich die Band aus den Augen verloren. Die älteren Herrschaften um den „Metal God“ und Ledermann Rob Halford starteten in ihren fulminanten Set zunächst hinter einem großen Vorhang mit der Aufschrift „Epitaph“ (Nein, nicht das von Vader sondern englisch für Grabinschrift). Halford war bei gigantischer Stimme, auch wenn natürlich die derbsten hohen Screams bei Songs wie „Painkiller“ nicht mehr erreicht wurden. Das störte allerdings nicht weiter, denn die Band war souverän auf die veränderte Stimmlage der Songs angepasst. Die Set List ließ keine Wünsche offen, neben neueren Krachern wie „Judas Rising“ wurden alle alten Gassenhauer von „You´ve Got Another Thing Coming“ über „Living After Midnight“ und „Hell Bent For Leather“ gezaubert. Einziger Wehrmutstropfen im Team: Ausgerechnet als ihr erklärter Priest-Lieblingssong „Victim Of Changes“ geboten wurde musste Mercedes ihre Zeit in der Warteschlange vor dem Klo verbringen... sie hätte am liebsten alle Umstehenden gelyncht. Großes Kino in jeder Hinsicht!

Während es für mich erst mit Airbourne weiter ging, ließen sich Frank und Andrea bei Kyuss Lives in sanfte Hanfschwaden einlullen und berichteten hinterher von einem hervorragenden Gig. Das sah von meinem Standpunkt aus bei Airbourne leider etwas anders aus. Die Band an sich spielte wie immer tight und zumindest zu Beginn noch mitreißend. Allerdings wirkt das Ganze zunehmend wie ein glatt gebügeltes Produkt. An der Stelle, als Frontturner Joel O’Keeffe mal wieder in die Traverse der Bühne kraxelte, verließ mich die Motivation und ich frönte den Rest des Abends ausgiebig dem weiteren Genuss von alkoholischen Getränken. Schade um die Band!

So richtig wollte der Samstag dann nicht in die Gänge kommen. Leicht verkatert suchten wir mit einer Gruppe Furchtloser wieder das Örtchen zum gemeinsamen Frühstück nebst Bier auf um so langsam aber sicher für den Rest des Tages gewappnet zu sein. Noch während unseres Rückweges machten zeitgleich Kataklysm und The Haunted zwei der Bühnen unsicher. Laut Frank und Andrea zogen Kataklysm wesentlich mehr Publikum, Blastspeedattacken schienen am Morgen des letzten Tages also mehr angesagt gewesen zu sein.

Wacken Open Air, WOA 2011, Kuh Musikalisch startete der Tag für mich mit Iced Earth und einem sichtlich gerührten Matt Barlow auf seiner Abschiedstournee. Auf weitschweifige Ansagen wurde im Wesentlichen verzichtet um den anwesenden Fans noch einmal möglichst viel Material mit auf den Weg zu geben. Höhepunkte waren die Something Wicked Trilogie im Mittelteil des Sets, „Declaration Day“ und ein emotionsgeladenes „I Died For You“. Sensationell!

Was hilft besser beim Stressabbau als ordentlicher brettharter Thrash Metal (ja, ich weiß schon, aber das andere ist keine Musik...). Kreator haben im Moment eines der tightesten Line Ups ihrer Bandgeschichte am Start und räumten beim Wacken richtig ab. „Hordes Of Chaos“ ist nicht nur ein Übersong sondern beschreibt auch perfekt das steilgehende Publikum im Pit und Drumherum.

Der Klassiker kommt zum Schluss: Extra für meine Freundin hatte ich Motörhead für ihren Geburtstag in der Nacht vom Samstag auf Sonntag angeheuert (ähem...) und passend zum Tageswechsel schmetterte ein deutlich angesäuselter Lemmy „Bomber“ aus den Boxen. Insgesamt ein geiler Gig, von dem Teile bei mir in leichtem Nebel versinken – man möge mir verzeihen.

Im nächsten Jahr sind wir von der Hard Radioshow sicher wieder in Wacken für Euch vor Ort, um vom alljährlichen Wahnsinn zu berichten. Schön wars!!!

Heiner

Fotos vom Wacken Open Air 2011




 

Kommentare  

 
0 #1 marc 2011-08-14 12:53
Zählst du die W:O:A-Kuh mit den grünen Gummistiefeln auch zu den "Ballermannelemt en"? Die find ich ja ganz cool :lol:
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