Die Temperaturen steigen, die Sonnenbrillen werden hervor gekramt und der Ein oder Andere macht sich gedanken über einen schönen erholsamen Urlaub! ...aber da war doch noch was? Die Festivalsaison 2011 steht vor der Tür.
Warum also nicht beides kombinieren!
Genau so fängt der Beitrag zum Nova Rock 2011 mit Ewald Tatar an. Neben den obligatorischen Festivalinfos erzählte Ewald von der Gastfreundlichkeit, dem Naturschutzgebiet auf dem das Ganze stattfindet und einem tollen Grillplatz, bei dem man Mitgebrachtes selbst grillen kann. Kein Wunder das wir uns also tierisch auf ein tolles Festival freuten.
Wir machen uns am Donnerstag dem 09. Juni mit einer Übernachtung in Leipzig Richtung Nickelsdorf auf.
Geile Aktion, wenn man die gesamte Fahrt (Hin- und Rückfahrt) mal genau betrachtet: Zwei Tage Hinfahrt mit Übernachtung in Leipzig, Zwei Tage Rückfahrt mit Übernachtung in Dresden, Zwischenstopp in Prag, zwei mal komplett Tschechien durchquert, ein Teil durch die Slowakai, ein Teil durch Ungarn und dann wäre da natürlich noch Österreich! WOW!
Durch die Berechtigung auf dem Presseparkplatz parkenzu dürfen haben wir richtig Glück und können den normalen Parkplatz links liegen lassen. Die Freude verblasst allerdings, als wir den Weg vom vermeintlich nahe gelegenen Presseparkplatz zu unserem genauen Campingplatz laufen. Im Vorfeld konnte man auf der Nova Homepage lesen, dass es dieses Jahr neue befestigte Wege geben wird. Naja, die Wege wurden mit Schotter und Kieselsteinen befestigt, was beim Transportieren und Gehen eher nervig ist und dazu führt, dass die meisten Besucher doch wieder im Gras bzw. quer über die Zeltplätze laufen. Endlich angekommen und nach dem Aufbau aller Zelte erkunden wir erst einmal die Gegend und merken schnell, dass es mit der Gastfreundlichkeit doch nicht so gut bestellt ist. Gerade das Tragen von T Shirts deutscher Festivals wird schnell als Verrat am Nova Rock gewertet. Was ein Schwachsinn! Auch wird man schnell wegen seinem Hochdeutsch verspottet. Schade, gerade auf Festivals ist man es eigentlich gewohnt eine große Familie zu sein. Wenigstens haben nicht nur wir den Eindruck, auch eine Kollegin aus Münster berichtet mir am Partyzelt von ihren Erlebnissen. Hoffentlich reißt der erste Festivaltag alles raus!
Erste Band für uns ist Dredg! Geile Band und genau das zeigen die Jungs auch auf der Blue Stage! Das Wetter spielt mit und anscheinend mögen die Österreicher Dredg. Später im Pressebereich habe ich sogar die Ehre Frontman Gavin Hayes zu treffen und wir schnacken kurz über die vergangenen Rock am Ring und Rock im Park Auftritte. Im Anschluss zeigen die Guano Apes, dass sie alt und müde geworden sind. Keine gute Leistung, auch wenn das Herz bei den bekannten Hits höher schlägt. Schon jetzt fällt mir der recht basslastige Sound auf. Wolfmother hingegen wissen wie man eine Rockparty gestaltet. Woman und The Joker and the Thief lassen das Nova Rock völlig ausrasten. So macht das Spaß!
Um 21 Uhr betreten dann Thrity Seconds To Mars die Blue Stage, was man gleich an dem lauten gekreische etlicher weiblicher Fans hört. Im Vergleich zum Rock am Ring Auftritt von 2010 kann der Nova Gig nicht mithalten, aber die Band macht immer noch Spaß und bewegt die Meute zum Mitmachen. Trotzdem bleibt ein fader Beigeschmack, da mehr Show als Musik bei den Jungs im Fokus steht. Um 23 Uhr betreten dann Linkin Park, erste Headliner des Festivals, die Bühne. Insgesamt wirkt der Auftritt, als sei man nur noch für ein Greatest Hits auf der Bühne, als würde man nur noch vergangene Songs spielen und feiern. Schade, gerade starke Songs wie Papercut oder What I’ve done kommen sehr leise und ohne Elan rüber. Das ist für die Stimmung trotzdem kein Abbruch.
Am Sonntagmorgen suche ich als Erstes die Dusche auf. Ein einziges Duschzelt für ca. 55.000 Festival Besucher. Das heißt Warten. Endlich drin und der erfrischenden Dusche ganz nahe, möchte ich am liebsten flüchten. Das Duschwasser ist kochend heiß. Krasse Sache, aber das Wetter ist ja ebenfalls absolut hot und heizt vermutlich die Leitungswege auf. Wie auch immer, zumindest bin ich erstmal sauber. Der Staub auf dem Festival- und Campinggelände setzt einem nämlich richtig heftig zu. Gerade am Festivalgelände vor der Red Stage hätte man Platten auslegen oder eine andere Lösung finden müssen, um die Auftritt sichtbarer und erträglicher zu machen.
Um 13.15 Uhr verschlägt es uns zu Blood Red Shoes. Coole Band, coole Songs und gute Stimmung. Auch bei Jennifer Rostock kocht der Laden. Erst holt Jennifer einen Festivalbesucher auf die Bühne um einen Lap Dance an ihm zu zeigen und beim letzten Song Kopf oder Zahl darf dann eine Festivalbesucherin den Gesang übernehmen. Insgesamt eine coole und vor allem sehr aktive Show! Nächster halt sind Times Of Grace, die Band um Adam Dutkiewicz (Killswitch Engage). Endlich richtig geiler Metalcore. Gewohnt harte und verschachtelte Riffs die eine Pit nach der anderen öffnen lassen. Die Songs animieren sogar einen Eisverkäufer samt Bauchladen zum Moschen. Geiles Bild!
Hier nach gönne ich mir erstmal eine Pause, da die Sonne permanent am Himmel steht und ohne Gnade auf die Pannonia Fields scheint. Leider verschlägt es mir auch hier wieder den Atem. Ein 0,2L Wasser glatte 2,70€ und ein Bier 0,4L für 5,50€! Wieder ein Punkt den man einfach hinnehmen muss um nicht verhungern oder verdursten zu müssen, denn Getränke in Tetrapacks dürfen nicht aufs Festivalgelände und am Campingplatz sind Gaskocher und Grills verboten?!
Um kurz vor Acht sind wir passend zur Heavy Metal Legende Danzig vor der Blue Stage. Im Anschluss gibt es dann KoRn und Volbeat. Geiler Abschluss eines langen Festival Abends. Gerade die Kombination aus KoRn und Volbeat ist absolut erstklassig und macht tierisch Laune. Erst schöne düstere Nu Metal Klänge und dann Rockabilly vom Feinsten. Und beide Bands bieten eine tolle Bühnenshow- wie gewohnt.
Letzter Festivaltag und was für Einer. Escape The Fate, Boysetsfire, The Sounds, In Flames, Alter Bridge, Motörhead, Pendulum, Social Distortion, Iron Maiden und System Of A Down. Da sind Überschneidungen vorprogrammiert. Allein die Entscheidung In Flames oder The Sounds fällt mir schwer, die technischen Probleme bei In Flames lassen mich aber schnell rüber zu The Sounds eilen. Schade, dass es immer wieder zu viele technische Probleme bei einzelnen Auftritten gibt. Auch bei In Extremo konnten wir Leinwandausfälle bemerken und In Flames haben auch extreme Sound Probleme. The Sounds bieten eine eher lahme Show, kaum neue Songs, kaum Interaktion mit dem Publikum. Unentschieden also! Im Anschluss bleibe ich bei Alter Brigde, gerade weil ich von Rock am Ring weiß, dass es sich hier um die erste Liga, was die musikalische Qualität betrifft, handelt. Richtige Entscheidung und wie am Ring ist das Myles vs. Mark Gitarren Battle ein riesiges Festival Highlight.
Um 20.20 Uhr geben sich die australischen Elektro Helden von Pendulum die Ehre. Leider hört man mehr als man Sieht, da der Staub vor der Bühne unerträglich wird. Ein wirkliches Problem, das andere Festivals allerdings auch in den Griff bekommen haben. Die Show ist einzigartig und bei einer Stunde Spielzeit fehlt es an fast keinem Hit. Gerade Songs ihrer aktuellen Platte Immersion kommen gut beim sehr jungen Nova Publikum an.
Jetzt heißt es schnell sein. Am letzten Festival Tag spielt die beste Band des Festivals! Iron Maiden! Schnell rüber von der Red zur Blue Stage und tatsächlich. Eddie & Co laufen und spielen das Nova Rock schwindelig. Richtig tolle zwei Stunden mit allen Klassikern und natürlich mit aktuellen Songs ihrer Final Frontier Platte. Immer wieder ein Genuss die legendäre Heavy Metal Band live zu erleben. Um kurz nach 23.00 Uhr ist auch hier Schluss und alle Besucher begeben sich zur Red Stage um den letzten Act und Headliner des Festivals abzufeiern.
An dieser Stelle muss gesagt werden, dass gerade nach der Tragödie der Loveparade 2010 in Duisburg jede Massenveranstaltung aus der Katastrophe gelernt haben müsste. Das Nova Rock anscheinend nicht!
So werden wir kurzerhand durch einen neu errichteten engen Weg über den Campingplatz zur Redstage geführt. Dieser verengt sich kontinuierlich und mündet an einer Seite des Festivalgeländes der Red Stage. Hier beginnt auch das Gedränge, die „Die Mauer muss Weg“ Rufe und das umschmeißen etlicher Bauzäune. Ein unbeschreibliches Gefühl und Unverständnis in allen Belangen was dieses Konzept betrifft. Eine große Menschenmenge über einen schmalen Weg zu einer Bühne zu führen hätte in der Tat auch tragischer ausgehen können.
In der völlig überfüllten Menge warten wir nichts desto trotz auf den letzten Act: System Of A Down. Im Vergleich zum Rock am Ring Auftritt muss ich auch hier wieder beim Sound Abzüge geben. Viel zu Basslastig und wieder einmal zu leise, sodass die Power der Band nicht zu 100% rüber kommt.
Alles in Allem ein sensationelles Line Up, aber eine schlechte Infrastruktur und Organisation. Kieselsteine auf den Wegen (aber ein Glasverbot für mehr Sicherheit???), überteuerte Getränke- und Speisepreise, vom Grillplatz müssen wir erst gar nicht sprechen, zu wenig Sanitärstationen (nur ein Duschzelt) und endlose Warteschlangen an Dixiklostationen, keine Wasserstellen außer am Duschzelt, schlecht eingewiesene Securities (wurde persönlich nie abgetastet und nur zwei mal nach meinem Einlassband gefragt), zu wenig An- und Abfahrtswege vom Parkplatz, Laufwege(man umrudet das Festival & Campinggelände quasi), schlechter Sound am Festivalgelände, viele technische Probleme. Persönlich mussten wir als Deutsche leider zu oft Unfreundlichkeiten von österreichischen Besuchern entgegen nehmen.
Die zwei tollen Stunt- Flugshows der Red Bull Flieger, die ohne Frage gut aussahen, sind unserer Meinung nach ebenfalls sehr fraglich. Von unserem Standpunkt (Campingplatz) aus sah es nämlich aus, als würden die Stunts über dem Campingplatz gemacht werden. Sollte dies tatsächlich so gewesen sein, ist dies unverantwortlich.
Das Nova Rock 2011 hat bei uns Flecken auf seiner weißen Weste hinterlassen, die das tolle Line Up nicht komplett raus waschen konnte. Allerdings findet das Festival erst seit 2005 in Nickelsdorf statt, und lernt von Jahr zu Jahr dazu. Nicht ohne Grund ist der Veranstalter Ewald Tatar im Nova Rock Forum persönlich angemeldet um Erfahrungen, Meinungen und Stimmungen diverser Besucher aufzunehmen.
Wir hatten trotzdem einen unvergesslichen Trip! Mein Dank gilt an dieser Stelle der genialen Gruppe um "Jochen"! Nächstes Jahr dann also Glastonbury (..?)
Kommentare
2000 Km nur um ausgedurstet, gekocht und anschließend paniert zu werden. Und dann noch von Ösis verspottet (von ÖSIS - also bitte!) Herrlich...
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