Das Rock Hard Festival, das jedes Jahr zu Pfingsten im schönen Amphitheater in Gelsenkirchen stattfindet, zählt mit seinen rd. 7.500 Besuchern zu den gemütlichsten und familiärsten Festivals auf der deutschen Landkarte. Das Festival wird vom gleichnamigen Magazin seit 2003 ausgerichtet. Insbesondere die Line-Up´s, mit vielen Reunions von alten Helden und speziell für das Festival konzipierte Gigs, machen das Festival zu etwas Besonderem. Und - man kann es nicht oft genug wiederholen – das Amphitheater gehört sicherlich zu den genialsten Festivallocations in Europa. Viel Spaß bei dem Bericht von Frank und Heiner.
Tag 1, Donnerstag 09. Juni
(Heiner) Der Anreisetag stellt sich für Osnabrücker dank der geringen Entfernung nach Gelsenkirchen immer sehr entspannt dar. Der Zeltplatz grenzt direkt an das Amphitheater an und wurde in diesem Jahr noch leicht erweitert. Optisch unterscheidet sich der Zeltplatz deutlich von üblichen Ackerflächen wie man sie z. B. aus Wacken kennt: Begrenzt durch den Rhein-Herne-Kanal, mit richtigen Wegen, Grünanlagen und einem Aussichtshügel erkennt man spätestens an dem Zechengebäude direkt am Weg, dass man im Herzen des Ruhrpotts ist. Die erste Hälfte der Hard Radioshow Belegschaft (also Heiner) war für den Zeltplatz abgestellt. Die zweite Hälfte (also Frank) hatte dekadenter Weise eine Wohnung in der Nähe des Festivalgeländes bezogen. Somit konnte sich die erste Hälfte der Belegschaft schon am Vorabend des Festivals bei einer Weißweinschorle, Canapés und niveauvollen Diskussionen auf die Eröffnung einstellen.
Tag 2, Freitag 10 Juni (Frisur sitzt)
(Frank) Die Wohnung im Herzen von Essen-Karnap war von einer Katzenliebhaberin und roch dementsperechend nach Katzenpisse. Zum Glück sind wir am Samstag in unser angestammtes Domizil umgezogen. Die Anreise zum Amphitheater gestaltete sich wir immer idyllisch entlang der Ruhrpottkloake ( Emscher ).
Los ging es gleich mal mit richtigem Dampfhammer-Thrash aus Deutschland. Contradiction eröffneten das Festival. Die Euphorie darüber, dass es endlich los geht, war den Gästen deutlich anzumerken. Die Band lieferte eine ordentliche Show mit einer netten „In die Fresse“ Attitüde ab.
Während Heiner wieder bei seiner Weißweinschorle war, sind wir bei Postmortem im Amphitheater aufgeschlagen. Ich habe noch kurz Postmortem erlebt, die mir aber nicht weiter in Erinnerung geblieben sind.
Ich hatte ja einen Fotopass und konnte den bei Primordial auch wunderbar gebrauchen. Alan war wieder komplett mit weißer Schminke und Blut besudelt, was der Stimmung, der Musik, und der Qualität der Fotos sehr gut getan hat. Die Show war geil; wie immer waren die Songs episch und erhaben. Der Himmel hatte auch epische Ausmaße und öffnete sich zu ersten Mal. Dem bleibt nichts hinzuzufügen! Großartiger Auftritt einer großartigen Band.
Das Wetter war auch bei Enslaved schlecht, ein Teil der Show war aber trocken zu verfolgen. Grutle Kjellson war gut bei Stimme und auch dem Rest der Band merkte man die technischen Fähigkeiten an. Die Stimmung war ausgelassen auch wenn ich nur ein paar Songs der Vertebrae mitsingen konnte.
Nachdem es Celtic Frost ja leider nie zum Rock Hard Festival geschafft haben (der letzte Auftritt wurde noch durch einen Notfall vor dem Auftritt verhindert) hat es Tom Warrior nun mit seiner Band Triptykon versucht und auch auf Anhieb geschafft. Die Stimmung war sehr düster, und Tom hatte zur Abwechslung vom klassischen Metalklischee eine weibliche Bassistin an seiner Seite. Tom strahlt immer noch eine wahnsinnige Aura hinter seinem Mikro aus. Die Show war stimmungsvoll und dem Vernehmen meiner Bekannten nach auch sehr gut. Fotografieren, Bier trinken und Show genau analysieren ist nicht so einfach!
Tag 3, Samstag 11. Juni (Dauerwelle muss nachjustiert werden)
Am Samstag ging es mit etwas Geholze los. Dreamshade, mir bislang unbekannt, versuchten sich an Melodic Death Kram mit Core Bla (man merkt – mag ich nicht). Hat meinen Kater nicht vertrieben, die Stimmung im Publikum war auch eher verhalten. Eine ganz andere Nummer waren da In Solitude. Die Band wird im Rock Hard derzeit ziemlich abgefeiert. Und man kann durchaus sagen: Zurecht. Klassischer Heavy Metal aus Schweden mit ner ordentlich rohen und rauen Kante traf auf die breite Zustimmung der anwesenden Kuttenfraktion. Meine alkohilisch vernebelte Running Order im Kopf hatte die Band am Sonntag auf dem Schirm – schöne Scheiße!
Disbelief haben wieder alles in Grund und Boden gegroovt. Die Band macht live immer Spaß und konnte die Stimmung der Kuttenfraktion noch weiter anheizen. Die Growls von Karsten Jäger gehören mit zum Tiefsten im Death Metal und mit Scheiben wie Navigator und Shine in der Hinterhand kann man auch einfach nur abräumen.
Tja. Epica. Das ist so eine Band die ich vom Grunde auf nicht mag. Böse Zungen sagen mir nach, ich würde solche Bands (wie z. B. auch Nightwish, Within Temptation und weiteres Gezücht) sogar abgrundtief verachten. Das stimmt. Gut, dass ich rechtzeitig gemerkt habe was da nun anstand. Die Alternative war dann klar: In Stimmung kommen für Bullet. Und das Mittel zum Zweck fand ich mit einigen Gleichgesinnten auf dem Grund eines größeren Schweinetrogs Sangria. Uff. Meine Bekannten und ich haben Epica mit Applaus bedacht, zumindest bei der Ankündigung des letzten Liedes! Vor der Bühne hatten aber einge Fans sehr viel Spaß an der Band. Zumindest optisch hat mir die Band in Teilen gefallen.
Der Kontrast von Disbelief, Epica und Bullet kann nicht größer sein. Wir haben uns wie Sau auf Bullet gefreut und konnten erstmals an dem Tag richtig abrocken. Die Band hat eine wahnsinnige Energie auf der Bühne auch wenn man Hell Hofer seine Energie im Vergleich zum Rest der Band nicht unmittelbar ansieht. „Bite the Bullet“ oder ähnliches Material lassen einen aber nach 1-2 Bier auch nicht ruhig sitzen. Dem kann ich mich nur anschließen. Gegenüber dem Auftritt im Osnabrücker Bastard Club einige Wochen zuvor waren Bullet für mich im Amphitheater eine echte Kracherband. Vor der Bühne zirkulierten unzählige Headbanger, und die Security kam richtig ins Schwitzen.
Und dann: Death Metal. Die mächtigen Morgoth legten anlässlich des nunmehr 20jährigen Jubiläums des „Cursed“ Albums eine richtig gelungene Reunion Show ab. Meine Befürchtungen, dass die Band eher peinlich rüberkommen würde – frei nach dem Motto noch mal eben Geld abgreifen – wurde nicht bestätigt. Der Gegenteil war der Fall. Mit grindigem, alles zermalmenden Death Metal (im Wortsinne!) walzte die Band alles nieder. Geiler Gig!
Auf Amorphis war ich sehr gespannt. Ich habe die ersten beiden Scheiben bis zur „Tales from the Thousand Lakes“ noch zuhause, die Band dann aber völlig aus den Augen verloren. Die letzten Reviews mit dem neuen Sänger Tomi Koivusaari hörten sich für mich aber wieder sehr vielversprechend an. Die Stimme von Tomi ist sehr facettenreich und reicht von Klargesang bis Growls. Die Musik ist etwas rockiger geworden als in den Anfangstagen. Die Show wurde mit großer Spannung erwartet. Amporphis konnten es sicher nicht jedem Fan recht machen, die Stimmung war aber klasse, und mir persönlich gefielen die unterschiedlichen Stilepochen. Tomi hatte ein sehr exklusives Mikro am Start, welches den Eindruck erweckte, er habe zwei gegrillte Würsten aufgespießt (siehe Fotos).
Um halb 10 war es dann Zeit für den Headliner. Langsam aber sicher wurde der Himmel dunkler (leider auch aufgrund von Regenwolken). Vor drei Jahren waren Iced Earth bereits einmal auf dem Rock Hard Festival gewesen und hatten eine Reunion mit ihrem Sänger Matt Barlow zelebriert. Nun, 2011, wurde im selben Rund eben jener großartiger Sänger wieder verabschiedet. Das Amphitheater war bis auf den letzten Rang gefüllt und eine tolle Atmosphäre machte sich bereits im Vorfeld breit. Die Band konzentrierte sich in Ihrer Setlist auf ihre Frühphase bis zur „Burnt Offerings“. Es wurde sogar ein Demo von 1988/1989 in die Setlist aufgenommen. Lieder wie „Watching over Me“, „Burnt Offerings“ oder im Mittelpart auch „Melancholy“ sorgten für Gänsehautstimmung und lauten Mitgröllpassagen. Meine Frau hatte einmal sogar etwas Pippi im Auge. See you in three years Matt!
Tag 4, Sonntag 12 Juni (haartechnisch sind Hopfen und Malz verloren)
Heute war dann für mich persönlich der Tag der Tage. Down als eine meiner absoluten Überbands sollten am Abend das Festival beschließen. Da hieß es: Kräfte einteilen. Denn die Running Order quoll an diesem Tag über vor guten Bands. Und das Wetter war zum ersten Mal durchgehend perfekt. Der erste Block des Tages stand klar im Zeichen von traditionellen Heavy Metal. Den Start machten dann auch gleich stilvoll Vanderbuyst, die zu den Neuentdeckungen des letzten Jahres zählen. Die Niederländer zockten ein geiles Set ab und zelebrierten mit Songs wie „Tiger“ Hard Rock mit echtem Party Faktor.
Enforcer hatten alles im Gepäck um die Anwesenden in Ekstase zu versetzen. Schneller, maidenartiger Heavy Metal mit ordentlich Eiern fegte durchs Amphitheater. Mit den schon fast als Hits zu bezeichnenden Liedern „Katana“ und „High Roller“ wurde die rasende Meute vor der Bühne immer weiter aufgepeitsch. Saubere und mitreißende Sache!
Im Anschluss daran ging es mit den aktuellen Speerspitzen des echten und erdigen Heavy Metal weiter. Den schwierigeren Part darin das Publikum zu erbobern hatte dabei definitv Atlantean Kodex – und schafften es dennoch. Die langen und komplexen Songs unter dem Banner von ganz ganz alten Manowar regten zum Mitgrölen und gereckten Fäusten an. Mit dem selbstbetitelten „Atlantean Kodex“ und „Pilgrim“ kochte die Stimmung über. Ein erfolgreicher Auftritt. Ich stand im Fotograben und hörte die Meute hinter mir singen und schreien, daher habe ich mir den Rest des Gigs auch vor der Bühne angeschaut. Die Musik funktioniert bei den Fans, die zum Rock Hard Festival pilgern super. Ich bin zwar kein Manowarfreund konnte den Songs aber doch einiges abgewinnen. Werde mir die CD jetzt doch besorgen.
Zu Metal Inquisitor kann ich weniger schreiben, denn es zog mich unweigerlich nach vorne vor die Bühne. Abfeiern ohne Ende mit einer der sympatischsten Bands der letzten Zeit. Ohne Star Allüren und mit witzigen Ansagen nach dem Motto „Ja Leute, wir haben eigentlich so ein rieeeesen Back Drop bestellt. Das ist aber noch nicht da, stellt es euch einfach vor!“ hatte Fronter El Rojo die Meute (und mich) sofort im Griff. Der Hammer! El Rojo sieht aus wie ein Lausbub, macht aber richtig Stimmung auf der Bühne. Neben Bullet eine der „Partybands“ des Festivals.
Anacrusis habe ich nicht mitbekommen, da ich meinen Schreiberkollegen auf dem Zeltplatz besucht habe (Weinschorle war leider alle!). Vicious Rumors merkte man dann ihre längere Auszeit nicht an. Die Band war spielfreudig und Ronnie Stixx war bei sehr guter Stimme. Die neuen Songs kamen bei der Meute gut an, und auch einige alte Klassiker wurden ordentlich abgefeiert. Insgesamt gut, aber nicht überragend. Witzigerweise hatte ich den Drummer am Vorabend im VIP Bereich getroffen, wo er passables Deutsch gesprochen hat. Ich wollte erst nicht glauben, dass ein amerikanischer Rockstar deutsch lernen möchte, und dachte, es ist ein Fan, der mich auf den Arm nehmen will. Ein Freund von mir sagte mir dann aber, dass es wirklich der Drummer sei. Danach haben wir uns trotzdem noch gut unterhalten.
Dann stand für mich das Todesurteil in Sachen Ausdauer an. Overkill habe ich bislang nie in mäßiger oder unmotivierter Fassung erlebt. Und auch der Auftritt beim Rock Hard Festival bildete hier keine Ausnahme. Eröffnet wurde mit dem Opener des neuen Albums „Green And Black“ um im Anschluss eine ihrer Überhymnen „Rotten to the Core“ (YEAH!) abzufeuern. Bobby Blitz und der Rest der Truppe zeigte sich in absoluter Höchstform! Von den Rängen bis vor die Bühne tobte die Menge. Nicht wenige konnten jede Silbe der Texte mitgrölen. Die Securitys kamen richtig ins Schwitzen, die Flut der Stagediver nahm keine Ende. Abgerundet wurde das geniale Set durch einige Songs aus der Demo-Phase der Band (!). Und ein herzhafteres „FUCK YOU“ hört man vom Publikum auch eher selten. In diesem Sinne „Here’s to the old school, didn’t matter if you looked cool. We drank some beers and broke some heads. We never gave a shit!“ Im Fotograben war es gar nicht so einfach, Blitz fokussiert zu bekommen, er wirbelte wie gewohnt über die Bühne. "Old School", wie Heiner bereits erwähnte, fande ich wie auch einige andere 1000 sehr geil. Auf Overkill ist Verlass!
Die Karaokegewinner waren jetzt an der Reihe. Normalerweise finde ich das nicht sehr spannend, der elfjähige (!) Paul (was für ein Metalname!) räumte mit „ Fear of the Dark“ aber richtig ab und wurde tatkräftig vom Publikum unterstützt.
Jetzt möchte ich die Bühne für meinen Kollegen und Die Hard Down Fan Heiner räumen. Ich fand den Auftritt erste Sahne, kenne aber bisher nur das „Nola“ Album. Werde ich gleich in Heiners CD Regal ändern!
Man kann ruhig sagen, dass ich vor dem Auftritt einer meiner absoluten Überbands nervös war. Down hatte ich bis zu dem Zeitpunkt aus verschiedenen persönlichen Gründen noch nie live sehen können, so dass mir noch vor dem ersten Ton die Haare im Nacken zu Berge standen. Und ich sollte nicht enttäuscht werden. Der Auftritt hat – nicht nur mich – vom ersten Ton an weggeblasen. Vor der Show wurden ganze Wände aus Orange Verstärkern auf der Bühne erreichtet, um den Südstaaten Sound der Louisianer richtig zur Geltung zu bringen. Und ab der ersten Sekunde walzte eine Soundwelle unfassbaren Ausmaßes über die Ränge des Amphitheaters (kann ich nur bestätigen). Fronter Phil Anselmo dirigierte von Beginn an das Publikum nach belieben. Den Song „Lifer“ widmete er seinem ermordeten Pantera-Kollegen und Gitarrenhelden Dimebag Darrel. Die Stimmung während des gesamten Sets war intensiv, beinahe greifbar. Doomwalzen wie „New Orleans Is A Dying Whore“und „Losing All“ kamen dank der eingegroovten Band perfekt zur Geltung. Um hier nicht den Beitrag zu sprengen, nur noch zum Schluss: Eines der aller aller besten Konzerterlebnisse meiner inzwischen auch schon lange andauernden Metaller Karriere. In diesem Sinne „Bury Me in Smoke“!!
Trotz des mittelmäßigen Wetters war es wieder ein sehr gelungenes Festival. Wir kommen sicher im nächsten Jahr wieder!!!